Es gibt Kameramarken, da kommt es bei
deren Erwähnung zu einem Leuchten in den Augen erfahrener Fotografen.
Leica, Linhof und .... Hasselblad. Bei der Lektüre der Website von
CALUMET fiel mir neulich ein kostenloser Promotionworkshop ins Auge:
Streetphotography mit der Hasselblad X1D. Street mit einer digitalen
Mittelformatkamera? Na, da bin ich ja sehr neugierig. Flugs habe ich Teilnehmer meines letzten Streetphotographyworkshops angemailt und
mich selbst angemeldet.
Eine Woche später saß ich mit Manfred,
Rainer und sieben weiteren unbekannten Fotograf(inn)en im provisorisch
hergerichteten Seminarraum von CALUMET. Nach einer eher überflüssigen
Einführung zum Thema "Wie der goldene Schnitt zu guten Fotos führt"
wurden wir mit jeweils einer eigenen X1D und 45 mm-Objektiv (35 mm
KB-äqiuv.) für drei Stunden in den Berliner Straßendschungel entlassen.
Da hatten wir jeder mal locker eine Kamerakombi im Wert von 13.000 Euro
in der Hand - buchstäblich in der Hand, denn es war weder ein Kameragurt
noch eine kleine Fototasche dabei.
Zuerst stand eine Begutachtung der Kamera
an. Das Design ist sehr eigenwillig. Manche sagen, es sei sehr modern
und stylisch. Andere sagen, dass es aussieht, als wenn die Kamera aus
Lego gebaut wurde. Am knallgelben Auslöser scheiden sich die Geister.
Mir persönlich hat das Design immer besser gefallen. Die Kamera ist für
die Sensorgröße von 44x33 mm recht kompakt und liegt bemerkenswert gut
in der Hand. Die gewöhnungsbedürftigen Bedienelemente ermöglichen eine
Einhandbedienung (siehe Bild).
Dann musste man sich mit der
Kamerabedienung vertraut zu machen. Obwohl das Menu längst nicht so voll
ist wie bei Sony, Nikon oder Fuji, war es zunächst hakelig,
wunschgemäße Bilder zu erstellen.
Das erste gemachte Bild ließ
(buchstäblich) aufhorchen. Der Zentralverschluss des 45 mm macht ein
ungewohntes, mittellautes Geräusch, das sich anhört, als wenn man mit
einem Löffel in einem Zinnbecher einmal rechts und links an die Wand
schlägt. Holla! Dieses Geräusch und Streetphotography? Unserer Meinung nach ein K.O.-Kriterium für die X1D.
Schnell stellte sich noch ein weiteres Manko für die Anwendung in der
Streetphotography heraus. Der Autofokus und die RAW-Verarbeitung sind
nicht die schnellsten. Später sahen wir am Rechner, dass eine RAW-Datei
zwischen 85 und 105 MB umfasste. So kam es, dass wir auch andere, geruhsamere Motive
wie Architektur und Portrait knipsten. Hier konnte die X1D mit ihrem
großen Sensor und meisterlichem Objektiv punkten.
Interessant war, dass wir uns am folgenden Tag zu einen Bildbesprechungs-termin treffen konnten. Für mich ist es immer sehr aufschlussreich, wie andere Fotografen mit der gleichen Themensetzung und in diesem Fall sogar mit der gleichen Kamera umgehen. Danke an Hasselblad und Calumet.
Fazit: Unsere Fujis, Leicas oder Sonys
sind für die Streetphotography deutlich besser geeignet. Trotzdem war es
ein Erlebnis, mit einer Hasselblad zu fotografieren. Das nächste Mal
lieber bei einem Portrait-, Stillleben- oder Architekturworkshop.



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